VIJITHA VEERAKATTY
Sunita, Damaris, Annette und Vijitha treffen sich heute – teils nach langer Zeit – wieder zu einem Kunstmittag. Es ist ein bewölkter Freitag und der Herbst scheint draussen langsam, aber sicher Einzug zu nehmen. Doch im Raum Rosengarten spüren neue Projekte und Ideen ihren Frühling.

Im Rahmen eines Porträtprojekts setzt sich Vijitha mit Bildern ihrer Mutter auseinander. Bei der Wahl der Vorlage liess sie sich von der indischen Künstlerin Amrita Sher-Gil inspirieren, die in ihren Porträts vor allem die starken Ausdrücke der von ihr porträtierten Frauen einfing. Es ist schwierig, uns geliebte Personen zu zeichnen, da wir jede Nuance dieser Person kennen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob das Bild überhaupt bis zuletzt fertiggestellt werden muss. Die Wirkung des Bildes kommt auch ohne Vollendung ausreichend zum Ausdruck. Eine Unvollendung lässt nicht am Können der Künstlerin zweifeln. Zudem ist der Prozess der Entstehung eines Bildes wichtig und darf auch für sich selbst stehen. Es braucht aber Mut, ein Bild nicht fertigzustellen. Vijitha weiss noch nicht, ob dieser Ansatz für dieses Bild der richtige ist.

Das Buch “The Artist’s Way” von Julia Cameron inspiriert und begleitet zurzeit Annette in ihrer Kreativität. In selbst gestalteten Journals aus Papiertaschen hält Annette persönliche Momente zeichnerisch fest. „Das Leben durch Zeichnen verstehen. Wenn ich zeichne, habe ich das Gefühl und die Gewissheit, dass ich an diesem Ort war und diesen Moment erlebt habe.“ Zusammenfassungen von Blogs und Podcasts, Blumen aus der Crêperie, das Warten vor dem Sushi-Laden, Kreissammlungen … Die Seiten in den Journals erzählen verschiedene Geschichten. Es wäre schön, wenn solche Journalings auch gemeinsam in einer Gruppe stattfinden könnten. Jede Person würde das Journal auf ihre eigene Art gestalten. Bei solchen Treffen könnten sich die Künstlerinnen untereinander austauschen, aber auch völlig in ihr Projekt eintauchen. Annette möchte gerne einen solchen Rahmen bieten. Interesse wäre jedenfalls vorhanden. Das motiviert. Die konkrete Umsetzung muss nun in Angriff genommen werden.

„Mut zur Weite” steht bei Sunita im Fokus. Nach 20 Jahren widmet sie sich wieder ihrer Liebe zum Singen und erkundet zugleich neue Formen des bildnerischen Ausdrucks. Die gezeigte Collage entstand an einem gemeinsamen Abend mit einer Frauengruppe unter der Leitung einer Kunsttherapeutin. Wie sich das auf ihren Tanz auswirken wird, weiss sie noch nicht. Aber das wird es bestimmt. Aktuell stehen keine konkreten Projekte an. Das lässt Raum, sich für Neues zu öffnen. Aber ist es eigentlich in Ordnung, sich verschiedenen Kunstformen zu widmen? Sollte man sich nicht nur auf eine konzentrieren, um darin gut zu werden? Wir glauben nicht. Das künstlerische Schaffen muss nicht immer Exzellenz anstreben. Es kann auch einfach Freude bereiten. Sich einer neuen Kunstformen anzunehmen, ist eine Bereicherung für die andere Kunstform. Das Singen wird das Tanzen bereichern und umgekehrt. Wir müssen uns nicht beschränken, wenn unsere Interessen es nicht tun.

Damaris erstellt momentan das Portfolio von Barbara. Gemeinsam haben sie Ideen gesammelt, einen Rahmen erstellt sowie auch erste Entwürfe besprochen. Barbara hatte Bilder und Texte zusammengestellt und Damaris hat jetzt längere Zeit an Umsetzung und Gestaltung gearbeitet. Nun ist es an der Zeit Feedback einzuholen. Die ausgewählten Bilder und Zitate zeigen auf stimmige und eindrucksvolle Weise die Vielseitigkeit der Arbeiten von Barbara. Es ist eine Freude, diese Seiten durchzugehen. Teilweise könnten die Bilder nähere Aufnahmen der Kunstwerke zeigen, um auch die Textur und Tiefe dieser besser zu erkennen. Anstelle von Texten können auch die Bilder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, da sie für sich allein schon genug aussagen. Es wäre auch interessant, wenn sie das Portfolio unfertig abgeben würde, damit Barbara es noch mit persönlichen Notizen ergänzen und dem Ganzen einen verspielten Charakter verleihen könnte. Insgesamt sollte aber die jetzige Leichtigkeit beibehalten werden, um das Portfolio nicht zu überladen. Das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Ansprüchen zu finden, ist eine grosse Herausforderung, welche Damaris aber bisher mit grossem Erfolg gemeistert hat. Wir freuen uns schon auf das Endprodukt.
KUNST IM COWORKING